Cities
Fünf kleine Flaschen mit farbiger Flüssigkeit. Jede Flasche hat einen anderen Geschmack. Eine Flasche ist klar und die anderen haben farbige Kappen. Sie sind auf einem grünen Hintergrund dargestellt.

In einem meiner letzten MAS Ressourcentrainings meinte eine Klientin “das ist nichts für Feiglinge”.

JA, im Alter voranschreiten ist wahrlich nichts für Feiglinge!
Ich bin nun mehr als 14 Jahre ehrenamtlich in der Seniorenbetreuung tätig. Meine Trainings mache ich seit 4 Jahren.
Ich habe größte Wertschätzung und größten Respekt für alle Menschen, die “altwerden”. Wenn es dann noch mit Würde und Selbständigkeit gelingt, leistet man wirklich einiges! Hut ab!
Dies ist nämlich gar nicht einfach, wie mich meine Erfahrung bzw. all die lieben Menschen lehren. Und ich darf unheimlich viel von ihnen lernen!! Dafür bin ich sehr dankbar.

* da kommt z.B. ein Hustenanfall, mit totalem Kratzen im Hals, Atemproblemen, Schluckbeschwerden, abfallender Energie … das sieht von außen auch sehr spannend aus - eben “nichts für Feiglinge”
* oder ein Blutdruck, der viel zu hoch ist. Ein Puls, der in die Höhe rast und der Arzt ist nicht erreichbar. Dennoch versucht man am Leben teilzunehmen um “runter zu kommen”, um von den kreisenden Gedanken los zu kommen.
Das ist alles Stress pur!!!
Nicht nur für die/den Betroffenen, sondern auch für das (unmittelbare) Umfeld.
Die Antwort ist sicher: schenken wir unserem Nervensystem bitte Ruhe - bewusstes Atmen, entspannende Musik, Fürsorge, die die Eigenständigkeit wahrt, Selbstliebe.
(Voraussetzung: medizinische Abklärung. Im Notfall gilt immer: 144)


Deswegen habe ich aber noch lange keine Angst vorm Altwerden.
Der gängigste Spruch unter all den lieben Menschen ist: “jung sterben wollen wir auch nicht”. Oder frei nach Nestroy “altwerden ist die einzige Möglichkeit länger zu leben"
Also: wir nehmen schon einiges hin!
Dafür braucht es MUT! Ja und den gilt es zu sammeln.

Unser Körper spielt uns ganz schön viele Streiche bzw. stellt uns immer wieder vor neue Herausforderungen. Dabei durfte ich erfahren, ist es ganz wichtig, dass wir gelassen und mit voller Hingabe annehmen, was ist.
Ich darf einige liebe Damen und Herren kennen, die es schaffen, jede Sekunde, in der Leben “geht”, tatsächlich zu leben - nämlich so richtig: aktives Teilnehmen, Interesse zeigen, erzählen, teilhaben lassen, für andere da sein, Liebe zeigen - für sich und alle anderen, in positiven Erinnerungen schwelgen ...
Sie verfallen weder ins Jammern, noch ins Bemitleiden oder Schimpfen. Sie nörgeln nicht an anderen herum …

Die Qualität ist: nütze jede Sekunde und habe Freude am Leben im Hier und Jetzt.
Krankheiten, Einschränkungen, Schwindel … hin oder her.

Sie sind die sogenannten “Stehauf-Manderl” … eine immense Gabe, die es zu pflegen gilt!

Wenn wir Familienmitglieder oder Freunde begleiten bzw. Zeug/in eines “Zwischenfalls” werden, dürfen wir mit Würde, Wertschätzung und Respekt da sein.
Aufgeregt ist die/der Betroffene mit Sicherheit selbst schon ausreichend. Daher bleiben wir gerne in der Ruhe und unterstützen wo es möglich und notwendig ist.
Ratschläge sind auch nur Schläge. Insofern lassen wir sie weg.
Wir sind da. Wertschätzend und ganz.

… und verbinden uns mit dem nötigen MUT! … auch das ist nichts für Feiglinge!

Ein Aspekt, der noch nichts für Feiglinge ist, ist jener, dass - je älter wir werden - die Geschwister, weitere Verwandte, Freunde versterben. Man sieht zu wie der eigene Kreis der Lieben kleiner wird.
Das ist wahrlich nicht einfach! Denn es zeigt uns, wie nahe wir selbst der Vergänglichkeit des Lebens sind.
Ein Satz, den ich schon oft gehört habe, ist “wir stehen in der 1. Reihe!”
Damit muss man mal klar kommen. Hut ab!

Wer hier auf die Qualität des “Lebens, nämlich JETZT!” zurückgreifen kann, stärkt sich selbst.
All die Lieben, die von uns gehen, bleiben tatsächlich für immer in unserem Herzen. Darauf dürfen wir vertrauen.
Eine Dame - sie ist meine persönliche Lebens-Kaiserin - sagt immer beim Verlust eines Menschen “ja, aber wir leben!”. Genau so ist es. Danke für diesen Satz.

Die Krankheit Demenz ist wahrlich nichts für Feiglinge. Sie beeinflusst (später: bestimmt) das Leben der Betroffenen und des ganzen Umfeldes. Dazu gehört sehr viel Mut, Ausgeglichenheit, Möglichkeit auf Pausen, Wissen und Verständnis, ein “möglicher” Umgang mit stetigen Verlusten, Unterstützung.
Ich habe größten Respekt vor Menschen, die mit Demenz leben. Damit muss man mal klarkommen.
Ja, und ich darf erfahren, dass Leben mit Demenz wirklich gut möglich ist. “Liebe” ist hier der Schlüssel!
Dazu möchte ich die Bedürfnis-Blume von Tom Kitwood erwähnen. Aber das gerne in einem nächsten Beitrag.

Heute möchte ich sagen: haben wir Mut und feiern wir das Leben. Es findet hier und jetzt statt!
Insbesondere, wenn wir mit Demenz leben. Die Qualität ist immer im JETZT.