Tom Kitwood war ein englischer Sozial- und Psycho/Gerontologe. Seine Arbeit basierte auf dem personenzentrierten Ansatz nach Carl R. Rogers.
Kitwood beobachtete, dass Menschen, die mit Demenz leben, und sogenannte schwierige Verhaltensweisen aufweisen, großteils auf ihr Umfeld reagieren. D.h. fehlende oder falsche Betreuung sowie die Umgebung können Auslöser sein.
Wir wissen ja: ein Mensch, der mit Demenz lebt, kann sich NICHT auf seine Umgebung und Situationen einstellen. Dies ist Aufgabe der Betreuer, unsere Aufgabe.
Kitwood entwickelte hierfür die Bedürfnis-Blume.
Sie ist Basis für die Betreuung von Menschen mit Demenz.
Sie richtet sich auf das Wohlbefinden und die gelingende Beziehung zwischen Betroffenen und ihrer Umgebung.
Sein Ansatz lautet: Die Einzigartigkeit der Person mit Demenz gilt es zu beachten und zu würdigen!
Meine lieben Klient:innen lehren mich genau dies.
Wir sind Individuen. Wir haben Bedürfnisse. Jede/r drückt sie anders aus. Jedoch geht es immer um das Selbe.
Wir haben die Fähigkeit andere zu spüren und wahrzunehmen. Jede/r von uns.
Passt doch perfekt!
Kitwood stellt die Gesamtheit der psychischen Bedürfnisse von Personen mit Demenz als 5 große, einander überschneidende Bedürfnisse dar, die sich im zentralen Bedürfnis nach Liebe vereinen. Wobei das Verlangen nach Liebe oftmals geradezu unverhüllt, beinahe kindlich sein kann.
LIEBE bedeutet
Verzeihendes und bedingungsloses Annehmen des anderen und etwas zu geben, OHNE eine Gegenleistung zu erwarten.
Ein Lächeln, ein bewusster Blick, eine Geste oder ein einfaches und ehrliches Danke können zur “Liebeserklärung” werden.
Diese Liebe und Fürsorge wird im Gegenzug nicht mit Dankbarkeit belohnt. Kann nicht.
Was durchaus schwierig ist. Aber, wenn wir darüber Bescheid wissen, können wir viel leichter damit umgehen.
Wissen hilft! Wissen stärkt.
EINBEZIEHUNG bedeutet
Das soziale Leben von uns Menschen findet in Gruppen (Familie, Freunde, Vereine….) statt. Wir haben das Bedürfnis einer Gemeinschaft anzugehören und geschätzt zu werden. Personen mit Demenz suchen Aufmerksamkeit. Sie zeigen damit “ich bin auch noch da”.
In der Demenz reduzieren sich die sozialen Kontakte stetig. So verlieren die Betroffenen die Möglichkeit ihre noch vorhandenen Ressourcen einzusetzen und zu erhalten. Wir wollen aber den Menschen erhalten! D.h. wir achten auf regelmäßige Treffen mit der Familie, Freunden … Wobei wir berücksichtigen, dass weniger Menschen “mehr sind”. Später nur noch 1 Person. Sonst käme es zur Überforderung.
Isolation würde die Krankheit fördern, nicht unseren Schützling.
MAS Gruppentraining beinhaltet auch, dass man sich mit anderen austauschen kann, “nicht alleine ist” mit all dem, miteinander Spaß hat.
BINDUNG bedeutet
Eine gefühlsmäßige Bindung ist in jeder Altersstufe für uns wichtig. Wir brauchen Sicherheit, Schutz und Verlässlichkeit. Mit zunehmender Demenz reduziert sich die Sicherheit der Betroffenen stetig. Daher brauchen sie mehr von außen - von uns. Wir schenken Sicherheit und Schutz, wie sie ein Kind auch benötigen würde. Genau in dem Ausmaß, wie es notwendig ist.
Manche Betroffene beginnen zu klammern und hinterher zu laufen.
Je fortgeschrittener das Stadium ist, desto schwieriger wird es soziale Bindung aufzubauen. D.h. je früher ein MAS Ressourcentraining beginnt, desto besser kann eine Bindung zur MAS Trainerin entstehen. So kann Sicherheit und Geborgenheit für Ihren Schützling noch lange vermittelt werden. Sie können sich in dieser Zeit “frei nehmen”.
Freiraum ist wichtig!
TROST bedeutet
Lindern von Schmerz und Leid durch Nähe und Sicherheit.
Personen mit Demenz nehmen ihre Verluste, die stetig hinzunehmen sind, sehr leidvoll wahr. z.B. Kontrollverlust bei Geldangelegenheiten, Auto fahren, kognitive Veränderungen … Daher ist es wichtig EHRLICHEN Trost zu spenden, nichts abzutun.
Wir hören zu, zeigen Verständnis und spenden Trost. Hier braucht es Empathie.
IDENTITÄT bedeutet
zu wissen: wer und was bin ich!
In der Demenz geht der rote Faden durchs eigene Leben verloren. Die eigene Identität zu verlieren löst Angst, Wut, Trauer und Hilflosigkeit aus.
Daher bestärken wir Betroffene in ihrer Identität - durch gemeinsames Stöbern in Alben, Erzählen von Geschichten von früher, den Kindern, Urlauben … oder vom Beruf.
Aber Vorsicht: manche Dinge der Biographie sind schmerzhaft und wollen nicht erinnert werden.
Außerdem korrigieren wir nicht. Wenn die Erinnerung eine andere ist, dann ist das “heute” so. Wir freuen uns über die Worte, die gewechselt wurden, den zufriedenen Blick, das Wohlbefinden!
BESCHÄFTIGUNG bedeutet
in den Lebensprozess eingebunden zu sein. Die aktive Beteiligung in z.B. der MAS Trainingsgruppe ermöglicht die Selbstachtung aufrechtzuhalten und die Fähigkeiten zu erhalten.
Beschäftigung ist das Gegenteil von Langeweile.
Eine Beschäftigung soll sinnvoll und erfüllend sein. Mithilfe im Haushalt, beim Kochen, etwas ordnen … ist durchaus sinnvoll und unterstützend. Wofür wir uns wiederum gerne bedanken können.
“wenn ihr mich nicht beschäftigt, beschäftige ich euch” - ist ein guter reminder für unsere Kreativität.
Generell geht es immer um Menschlichkeit und Würde.
Seien wir ehrlich: sollten wir nicht ohnehin nach der Bedürfnis-Blume von Tom Kitwood leben!!!!?
Ich denke, das wäre so hilfreich und so schön für uns Menschen im Hier und Jetzt.
DANKE