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Ein Wassertropfen-Logo mit dem Text 'Trinkwassergemeinschaft Wagendorf'. Wasser fließt aus einer hölzernen Röhre in einen Brunnen. Der Hintergrund zeigt ein grünes Feld mit Bergen und einer untergehenden Sonne.

Zeitreise der Trinkwassergemeinschaft Wagendorf

1987 – Der Ausgangspunkt
Friedrich Reis wurde von der Gemeinde St. Veit in der Südsteiermark beauftragt, die Qualität des Trinkwassers in den Ortsteilen Wagendorf und St. Veit am Vogau zu untersuchen. Das Ergebnis war alarmierend: Das Wasser wies Nitratwerte von 130 bis 200 mg/l auf.

Jänner 1990 – Die Entscheidung für eine eigene Wasserversorgung
Eine Umfrage unter 102 Haushalten in Wagendorf sollte klären, ob ein Anschluss an das Wasserleitungsnetz Leibnitzerfeld-Süd gewünscht wird. 83 Haushalte entschieden sich für eine eigene Brunnenanlage.

Als Standort wurde die Quelle am Brunnenriegel im Karwald ausgewählt.

1990/1991 – Die Gründung
Ein Proponentenkomitee wurde gebildet. Ihm gehörten Baumeister Josef Waltl, Manfred Tatzl, Heinz Deutschmann, Rudolf Pauli, Herbert Baumann, Gerhard Prechtler und Gottfried Pail an.

Es folgten Verhandlungen mit der Wasserrechtsbehörde und dem Grundstückseigentümer, dem Bischöflichen Gut Seggau. DI Ing. Heidinger übernahm die Planung. Die erste Kostenschätzung belief sich auf 2,6 Millionen Schilling.

Am 10. Jänner 1991 wurde der Pachtvertrag mit der Diözese Graz-Seggau abgeschlossen.

  • 17. Jänner 1991: Wasserrechtliche Verhandlung

  • 1. Februar 1991: Beschluss, die Anlage in Eigenregie zu errichten

  • 6. Mai 1991: Wasserrechtsbescheid

18. Februar 1991 – Baubeginn

Mit großem persönlichen Einsatz der Mitglieder begann der Bau der eigenen Trinkwasserversorgung.

Die Bauleitung übernahmen:

  • Josef Lorber – Quellfassung

  • Anton Pilch – Übernahmestelle beim alten Rüsthaus

  • Baumeister Josef Waltl – Einteilung der Arbeitskräfte

Die Mitglieder konnten sich mit 3 Arbeitstagen oder alternativ mit einem finanziellen Beitrag beteiligen.

Bereits am 16. März 1991 waren die Bauarbeiten abgeschlossen und das Wasser wurde eingeleitet.

Am 27. März 1991 erfolgte die Schlüsselübergabe an die Gründungsmitglieder.

Am 8. Mai 1991 wurde die Trinkwassergemeinschaft Wagendorf behördlich genehmigt.

Die festliche Übergabe fand am 25. Mai 1991 statt.

Eine außergewöhnliche Eigenleistung

Die Zahlen sprechen für sich:

  • Bauzeit: nur 1 Monat

  • Leitungslänge: 3,7 km

  • Höhenunterschied: 13 Meter

  • Wasserdruck an der Übergabestelle: ca. 1,3 bar

  • Fertigstellungskosten: 1,13 Mio. Schilling

  • ursprüngliche Kostenschätzung: 2,6 Mio. Schilling

Die Finanzierung erfolgte durch:

  • 2.880 Stunden Eigenleistung: 720.000 Schilling

  • Landesförderung: 410.000 Schilling

  • Anschlussgebühren: 36.000 Schilling

Das außergewöhnliche Projekt fand sogar im ORF-Fernsehen bei „Willkommen Österreich“ sowie in Fachzeitschriften Anerkennung.

1993 – Wechsel an der Spitze

Bei der 3. ordentlichen Vollversammlung am 26. Jänner 1993 übergab Gründungsobmann Josef Waltl seine Funktion an Rudolf Pauli.

1996 – Die „Lebensquelle“ Wagendorf

Bei der Generalversammlung am 29. November 1996 erhielt die Quelle offiziell ihren Namen:

„Lebensquelle“ Wagendorf

Im Dezember 1996 wurde aus Eigenmitteln und mit Unterstützung des Wagendorfer Jagdpachtschillings eine UV-Anlage der Firma BWT installiert. Sie sollte die Keimentwicklung im Trinkwasser verhindern.

1999–2000 – Ausbau und Sicherung

1999 wurde ein Nirosta-Kiesfilterbecken vor dem Wasserbehälter eingebaut.

Gleichzeitig begannen Verhandlungen mit dem Bischöflichen Gut Seggau über eine Verlängerung des Pachtvertrages.

Am 26. Jänner 2000 konnte eine weitere zehnjährige Laufzeit vereinbart werden. Der jährliche Pachtzins blieb bei 24.000 Schilling, ohne Indexanpassung.

2001 – 10 Jahre TGW

Das zehnjährige Bestehen wurde mit Ehrungen, einem gemütlichen Picknick und einer Wanderung zur Quellfassung im Karwald gefeiert.

2002–2010 – Weiterentwicklung

In diesen Jahren wurden Vorstand, Technik und Wartung laufend weiterentwickelt.

Unter anderem wurde 2002 die gesamte 3,7 km lange Rohrleitung vom Brunnenriegel bis zur Übergabestelle gespült – mit Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr Wagendorf.

2005 erhielt die gesamte Trinkwasserversorgung die wasserrechtliche Bewilligung.

2010 führte die Lebensmittelaufsicht des Landes eine Kontrolle durch. Seitdem wurden zwei Wasserkontrollen jährlich vorgeschrieben – jeweils eine vor und eine nach der UV-Anlage.

2012 – 20 Jahre Trinkwassergemeinschaft

Das 20-jährige Bestehen wurde bei der Jahreshauptversammlung am 7. März 2012 entsprechend gewürdigt.

2015 – 25 Jahre TGW

Bei der 25. Jahreshauptversammlung am 11. Juni 2015 legte Kassier Manfred Winterleitner nach 15 Jahren seine Funktion zurück. Neuer Kassier wurde Hermann Zürngast.

Für die Hausanschlüsse wurden neue Wasserzähler montiert und der Verbrauch musste fortan monatlich im Betriebsbuch dokumentiert werden.

2017–2018 – Eine neue Quellfassung

2017 wurde erstmals konkret über die Erneuerung der Quellfassung gesprochen.

Am 26. Juli 2018 fand dazu eine Besprechung mit der Gutsverwaltung Seggau statt.

Im Oktober 2018 begann schließlich der Bau der neuen Quellfassung.

Kosten: 10.600 Euro
Finanzierung:

  • Mitglieder: 9.080 Euro

  • Marktgemeinde St. Veit: 1.750 Euro

Die Quelle liefert rund 10 Liter pro Minute. Der Behälter verfügt über ein Fassungsvermögen von rund 10,5 m³. Im Zuge der Sanierung wurde außerdem eine Ausleitung der Quelle geschaffen.

2019 – Pachtvertrag verlängert

Der Pachtvertrag wurde um weitere zehn Jahre verlängert. Der jährliche Pachtzins wurde mit 2.000 Euro ohne Indexanpassung bis 1. Jänner 2029 vereinbart.

2020 – 30 Jahre TGW

Bei der 30. Jahreshauptversammlung am 5. März 2020 wurde der Vorstand neu gewählt.

Noch im selben Jahr wurde bei der Übergabestation in Wagendorf ein neues Schließsystem für 110 Schlüssel installiert.

2021–2023 – Neue Anforderungen

2021 wurde ein Betriebs- und Wartungsbuch eingeführt, in dem sämtliche Aktivitäten an der Anlage dokumentiert werden.

2023 wurde aufgrund behördlicher Auflagen erstmals eine Fremdüberwachung im Abstand von fünf Jahren beauftragt.

Besonders bemerkenswert war 2023 die Situation bei der öffentlichen Wasserversorgung: Aufgrund hygienischer Probleme wurden die Mitglieder der TGW gebeten, die Wasserausgabestelle vorübergehend auch für Nichtmitglieder zu öffnen.

Damit zeigte sich einmal mehr, welche Bedeutung die „Lebensquelle“ Wagendorf für die Bevölkerung hat.

2024 – Herausforderungen durch Starkregen

Starkregenfälle führten dazu, dass Oberflächenwasser in die Quellfassung eindrang. Dadurch kam es zu einer Eintrübung und Verschmutzung der Anlage.

Auch bei fünf bestehenden Hausanschlüssen wurde ein größerer Wasserabgang festgestellt. Diese Anschlüsse wurden vorübergehend außer Betrieb genommen.

Im Juli 2024 legte Obmann Franz Braunegger aus gesundheitlichen Gründen sein Amt zurück. Stellvertreter Manfred Tatzl übernahm bis zur Neuwahl interimistisch die Funktion.

2025 – Aufbruch in eine neue Zukunft

Bei der 34. Jahreshauptversammlung am 7. März 2025 im Gasthaus Keen wurde ein neuer Vorstand gewählt:

  • Obmann: Franz Mally

  • Stellvertreter: Günter Hafner

  • Schriftführer: Ing. Manfred Lechner

  • Stellvertreter: Johann Neubauer

  • Kassier: Hermann Zürngast

  • Kassier-Stellvertreter: Josef Mayer

  • Beirat: Franz Braunegger

2025 wurde außerdem eine neue UV-Anlage installiert.

Die Wasserentnahmestelle wurde neu hergerichtet, neu verputzt und der Giebel neu gestrichen.

Eine besonders moderne Neuerung wurde direkt bei der Quellfassung am Brunnenriegel umgesetzt: Ein elektronischer Schieber mit UV-Panel ermöglicht es, den Wasserzulauf bei Regenereignissen künftig über eine Handy-App auszuleiten bzw. wieder zu schließen.

2025 – Wasserrecht bis 2045 gesichert

Ein weiterer wichtiger Meilenstein für die Zukunft:

Das Wasserbenutzungsrecht wurde bis 31. Dezember 2045 wiederverliehen.

Damit ist die Grundlage geschaffen, dass die Trinkwassergemeinschaft Wagendorf ihre „Lebensquelle“ auch weiterhin eigenständig betreiben und für kommende Generationen erhalten kann.

💧 Von der Notlösung zur Lebensquelle

Was 1987 mit schlechten Nitratwerten begann, entwickelte sich zu einem außergewöhnlichen Gemeinschaftsprojekt.

Von 2.880 Stunden freiwilliger Arbeit im Jahr 1991 bis zur modernen, digital steuerbaren Quellfassung im Jahr 2025 liegen mehr als drei Jahrzehnte Eigenverantwortung, Zusammenhalt und technischer Weiterentwicklung.

Die Trinkwassergemeinschaft Wagendorf steht damit für etwas, das weit über die Versorgung mit Wasser hinausgeht:

Gemeinschaft. Eigenleistung. Verantwortung. Und die Sicherung von sauberem Trinkwasser für die Zukunft.

Die Geschichte der TGW ist die Geschichte einer Gemeinschaft, die ihre Wasserversorgung selbst in die Hand genommen hat – und damit vor über 35 Jahren ihrer Zeit voraus war.