Das war... >>> Zwischen:Räume 25
Rund 500 Besucher:innen nutzten die Gelegenheit zeitgenössische Kunst und Musik an verlassenen/vergessenen Orten Eggenburg aufzusuchen.
Im Möfa, die ehemalige Möbelfabrik und vielen von uns Eggenburger:innen als ehemaliges Motoradmuseum besser bekannt, wurde durch Walter Fletzers Bespielung aus hölzernen Gattertoren und literarischen Auszügen von seinem Jugendfreund Norbert Silberbauer zu einem Weg zurück in die Vergangenheit als das Möfa als Jugenzentrum genutzt wurde. Viele Begegnungen wurden so ermöglicht. Einige Erinnerungen kamen wieder auf. Und die Wege des Künstlers der Tore auf seinem Weg öffnete und verschloss wurden gekreuzt von jenen die in bei den Zwischen:Räumen besuchten.
Dora Kuthy holte Neugierige an eine, mit einem Tischtuch bestückten, Tafel. Ihre Erinnerungen an ihre eigene Geschichte und die der vielen Eggenburger:innen wurden an diesem Ort vereint und gleichzeitig ein weiterer Blick zurück ins Mittelalter ermöglicht. Nicht nur ihr textiles/malerisches Werk versetzte die Besucher:innen in eine Zeitreise, sondern auch der Raum um sie herum mit den Spitzgewölben eines ehemaligen alten Wohnraums im Bürgerhaus der Familie Neugebauer.
Im selben Gebäudekomplex durch den Hof wurde im ehemaligen Schlachtraum die amöbenähnlichen Tierwesen von Erika Farina lebendig. Im abgedunkelten Raum zeigten sie leuchtende Ornamente und Linien, jedes einzelne in unterschiedlichen Farben und Formen. Die textile Rauminstallation öffnete ein Gedankenspiel wie Evolution andere Wege beschreiten könnte. Die Wesen fühlten sich trotz der Präsenz der stillgelegten Räucherkammer wohl sowie die Künstlerin selbst.
Martin Ludls analoge Fotografien und seine Installation einer Camera Obscura in einem Raum im ehemaligen Stadtarchiv ließ Einblicke in die Geschichte der Fotografie zu. Seine Herangehensweise mit alten Spielzeugkameras die Welt um ihn herum künstlerisch Einzufangen entführte die Besucher:innen in eine neu konstruierte Wirklichkeit. Überlagerungen, Mehrfachbelichtungen, abgelaufene Filme die die Farbe anders wieder geben zeigten, dass das Analoge dem digitalen in nichts nachstehen.
Geschichten über und von Migrationen sind der Schwerpunkt des textilen Buches der Zeugfärberei aus Gutau. Die alte Post war der richtige Ort um die jeweiligen Positionen im Einzelnen aber auch zusammengefügt im Original zu präsentieren. Janina und Martin Lasinger erklärten die unzähligen textilen Techniken, die von 45 Künstler:innen für die Gestaltung der individuellen Seiten verwendet wurden. Auch der Ort selbst wurde als Migrationsgeschichte erlebbar. Anhand eines Textes über Barbara Pecola und ihrem Mann wurde eine Brücke zum Heimatbuch aus dem Mühlviertel nach Eggenburg geschlagen.
Am Abend fand auch an diesem Ort das erste Mal im Zuge der Zwischen:Räume ein Konzert statt. Manuel Huber und Maria Wandl entführten die Besucher:Innnen in eine Klangwelt voller Emotionen. Nicht nur das Hören stand im Vordergrund, sondern auch das Fühlen der elektronischen be- und verarbeiteten Musik. So wurde der alte Kassensaal ein akkustischer Ort, indem alle sich der inneren Vorstellung und Fantasien hingeben konnten.
Ruhig und zurückhaltend präsentierte sich der Innenhof im alten Haus in der Burggasse. Mona Rith wählte diese Örtlichkeit, um einen privaten intimen Rahmen für ihre drei Weberein zu haben. Rein Schwarz, nur durch Reflexionen des Lichts zeigten ihre Arbeiten neue dreidimensionale Strukturen und Formen. Spannung und Entspannung sind in ihrer Webtechnik formgebend.
Die Burg, insbesondere der Burgfried ist für Eggenburg neben der Stadtpfarrkirche ein Ort der Identifikation. Christina Dörfler zeigte dort ihre Arbeiten, die mit diesem Turm verschmolzen. Leicht tänzelnd, gerade den Boden berührend, hing ihr aus natürlichen Mittel gefärbtes Seidentuch inmitten des hohen Raumes des Bergfrieds. An den Wänden verschmolzen historische Wandmalereien mit einem Mantel begleitet von einem Text von Sebastian Müller.
Die ganze Stadt war an diesem Wochenende ein Zwischen:Raum zwischen Kunst und Geschichte, zwischen Menschen die hier leben und Menschen die ihn besuchen. Ein Zwischen:Raum zwischen Erinnerungen und Fantasien. Gespräche wurden geführt und über so manches nachgedacht.
Das Team und die Mitwirkenden der Zwischen:Räume 2025 bedanken sich bei allen Besucherinnen und Besuchern.
Fotos: Manuel Wandl 2025