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Die Schlacht bei Frastanz

Einen Platz in der Landesgeschichte sicherte sich Frastanz mit der wohl blutigsten Schlacht, die auf Vorarlberger Boden geschlagen wurde. Am 20. April 1499 erlitt das kaiserliche Heer Maximilians I. auf den Kriegsschauplätzen an der Letze und im Ried eine entscheidende Niederlage gegen die Eidgenossen. Insgesamt sind in der Schlacht von Frastanz etwa 2.000 Mann umgekommen; allein der Walgau hatte 500 Tote zu beklagen, darunter zahlreiche freie Walser. Das silberne Horn im Gemeindewappen erinnert an die Sage vom Hirtenknaben am Sturnabühel bei Amerlügen. Um das kaiserliche Heer vor dem herannahenden Feind zu warnen, soll er so lange in sein Horn geblasen haben, bis er tot umfiel. Eine weitere Sage versucht die Niederlage der Österreicher einem Verräter, nämlich Uli Mariss von Schaan, zuzuschreiben. Er habe den Schweizern einen Weg über den Sarojasattel gezeigt, wodurch die Eidgenossen dem kaiserlichen Heer in den Rücken fielen.

In den achtziger Jahren des 15. Jahrhunderts wurde das östliche Schwaben von der Expansionspolitik der bayerischen Herzöge bedroht. Um ein Gegengewicht zu schaffen, forderte der Habsburger Kaiser Friedrich III. die Reichsstände Schwabens auf, ein Bündnis zu bilden. Es erhielt den Namen "Schwäbischer Bund" und entwickelte sich zu einem straff organisierten Instrument kaiserlich-österreichischer Politik. Vor allem die Eidgenossenschaft, deren Verhältnis zu Habsburg seit langem von Konflikten geprägt war, fühlte sich von diesem Bündnis bedroht. Truppenansammlungen beider Seiten unterstrichen im Frühjahr 1499 den Ernst der Lage.

Zu ersten offenen Kampfhandlungen kam es schließlich im Gebiet des heutigen Fürstentums Liechtenstein sowie im nördlichen Graubünden. Dann verlagerte sich das militärische Geschehen des "Schweizerkriegs" oder "Schwabenkriegs", wie ihn die Eidgenossen nennen, an den Bodensee. Bei Hard in Vorarlberg siegte ein zahlenmäßig unterlegenes eidgenössisches Heer klar über die schwäbischen Landsknechte. Nunmehr boten beide Seiten ihre gesamte Macht auf. In der Schlacht bei Schwaderloh (bei Konstanz) erlitten die Kaiserlichen eine weitere schwere Niederlage.

Nachdem ein Kriegszug österreichisch-schwäbischer Verbände links des Rheins erfolgreich verlaufen war, beschlossen die Eidgenossen ein größeres Unternehmen gegen diese Reichstruppen aus Tirol und Vorderösterreich, die sich in den Raum Frastanz zurückgezogen hatten und dort hinter gut ausgebauten Schanzen lagerten. Als die Schweizer mit etwa 10.000 Mann gegen den Walgau vorrückten, verstärkten Vorarlberger Landesverteidiger das österreichische Heer bei Frastanz, das den Schweizern zahlenmäßig unterlegen war.

Am 20. April 1499 kam es zur Schlacht. Da die österreichischen Verteidigungsstellungen einem Frontalangriff wirksam entgegenstanden, wurden sie von einem Teil der eidgenössischen Kriegsknechte - unter dem Kommando von Heinrich Wolleb aus Uri - über den Sarojasattel umgangen. Der Sage nach soll die Abteilung von einem Verräter namens Uli Mariß aus Schaan geführt worden sein. Ein erstes Treffen mit Büchsenschützen unter dem Nenzinger Lienhart Nenn sowie mit dem "stählernen Haufen" der Tiroler Bergknappen entschieden die Schweizer rasch für sich. Bei Fellengatter vereinigten sich Wollebs Truppen mit dem Hauptheer, der weitere Angriff wurde schließlich bergabwärts vorgetragen. Erst nach langem, erbittertem Widerstand wurden die Kaiserlichen zurückgedrängt und in die Flucht geschlagen. Die Verluste beider Seiten waren schwer, das österreichische Heer verzeichnete etwa 2.000 Gefallene oder in der Ill Ertrunkene. Allein das Kontingent des Walgaus hatte 500 Tote zu beklagen.

Die Auswirkungen der Kämpfe auf Frastanz lassen sich aus dem spärlich überlieferten Quellenmaterial nicht erschließen. Das Jahrzeitbuch der Frastanzer Pfarre hält zwar den Tag der Schlacht fest, berichtet aber nicht über die Zahl der Opfer, die sie unter der örtlichen Bevölkerung forderte. Als sicher kann dagegen gelten, daß die Gemeinde durch die Schweizer schwerstens in Mitleidenschaft gezogen wurde, denn die Sieger blieben einem alten Kriegsbrauch gemäß drei Tage auf dem Schlachtfeld und plünderten dessen Umgebung.

Als die Eidgenossen ein vom Oberrhein her vorrückendes kaiserliches Heer bei Dornach (Kt. Solothurn) überraschten und nach langem Kampf schlugen, waren die Kräfte beider Seiten erschöpft. Die bald aufgenommenen Friedensverhandlungen führten zum Basler Frieden vom 22. September 1499, der den "Schweizerkrieg" beendete. Die in seinem Verlauf geschlagene Schlacht bei Frastanz ist als die größte auf Vorarlberger Boden ausgetragene militärische Auseinandersetzung in die Kriegsgeschichte eingegangen. In mehreren Balladen fand sie ihren literarischen Niederschlag. Autor: Alois Niederstätter