Wenn die Temperaturen über 30 Grad klettern, scheint auch die Stimmung vieler Menschen schneller zu erhitzen. Im Straßenverkehr wird häufiger gehupt, in Warteschlangen liegen die Nerven blank und selbst kleine Meinungsverschiedenheiten eskalieren mitunter schneller als an kühlen Tagen. Doch macht Hitze tatsächlich „Hitzköpfe“ – und woher stammt dieser Ausdruck überhaupt?
Der Begriff „Hitzkopf“ ist mehrere Jahrhunderte alt. Ursprünglich bezeichnete er einen Menschen mit einem „heißen Temperament“, der leicht reizbar, impulsiv oder jähzornig ist. Die Vorstellung geht auf die alte Lehre der Körpersäfte zurück, nach der Wärme und Trockenheit als Eigenschaften eines cholerischen Charakters galten. Ein Hitzkopf ist also nicht jemand, dessen Kopf von der Sonne aufgeheizt wurde, sondern einer, dessen Gemüt schnell „überkocht“.
Ganz von der Hand zu weisen ist der Zusammenhang mit sommerlicher Hitze allerdings nicht. Psychologische Studien zeigen, dass hohe Temperaturen die Reizbarkeit erhöhen können. Wer schwitzt, schlecht schläft und unter Kreislaufproblemen leidet, reagiert oft ungeduldiger. Gleichzeitig sinkt die Konzentrationsfähigkeit – eine Mischung, die Konflikte begünstigen kann.
Bleibt die Frage: Was hilft besser beim Abkühlen der Gemüter – das kühle Nass im Freibad oder die katholische Kirche?
Das Freibad punktet mit einer unmittelbaren Wirkung. Ein Sprung ins kalte Wasser senkt die Körpertemperatur, baut Stress ab und sorgt oft schon nach wenigen Minuten für bessere Laune. Wer sich bewegt, schwimmt oder einfach im Schatten entspannt, kehrt meist gelassener nach Hause zurück.
Die katholische Kirche verfolgt einen anderen Ansatz. Sie bietet Orte der Ruhe, der Besinnung und des Gebets. Gerade in einer hektischen Zeit können stille Kirchenräume oder ein Gottesdienst helfen, innerlich zur Ruhe zu kommen und den Blick auf das Wesentliche zu richten. Die Kühlung erfolgt hier weniger körperlich als seelisch.
Das Urteil? Für einen überhitzten Körper dürfte das Freibad die schnellere Lösung sein. Für erhitzte Gemüter kann hingegen ein Moment der Stille – ob in einer Kirche, beim Spaziergang oder an einem schattigen Platz – mindestens ebenso wohltuend sein.
Vielleicht steckt die beste Antwort also in einer ungewöhnlichen Kombination: Erst ein Sprung ins Wasser, danach ein wenig Ruhe für Kopf und Herz. So haben Hitzköpfe bei Sommerwetter wohl die besten Chancen, einen kühlen Kopf zu bewahren.
© Franz Summerer