Leithagebirge
Der östliche Ausläufer der Alpen
Im Mittel- und Oberhang des durchschnittlich 400 m hohen Leithagebirges tritt das kristalline Grundgebirge (Glimmerschiefer, Quarzitschiefer) zu Tage. Der Hangfuß ist vorwiegend von Leithakalken (ehemalige Korallenriffe des Binnenmeeres) aufgebaut. Der 30 Kilometer lange Höhenzug ist durch kleinere Seitentäler unterbrochen, die zumindest periodisch Wasser führen und von Eschen (Fraxinus excelsior) begleitet werden. Die höheren Lagen werden hauptsächlich von Eichen-Hainbuchenwäldern bedeckt, die infolge der Niederwaldnutzung die Rotbuche (Fagus sylvatica) zurückgedrängt haben. Die dominierenden Baumarten sind Trauben- und Zerr-Eiche (Q. cerris und Q. petraea) und die Hainbuche (Carpinus betulus). An trockenen und warmen Hängen treten Flaum-Eiche (Q. pubescens), Feld-Ulme (Ulmus minor) und Feld-Ahorn (Acer campestre) auf. Zusätzlich wurden verschiedene Nadelhölzer, vor allem Föhren (Pinus sylvestris und P. nigra) forstlich eingebracht.
Das Leithagebirge birgt neben einer mitteleuropäischen Fauna auch viele wärmeliebende Tierarten wie den Siebenschläfer (Glis glis) und die Haselmaus (Muscardinus avellanarius) unter den Säugern. Die Schlingnatter (Coronella austriaca) und die Äskulapnatter (Elaphe longissima) sind ebenso für die lichten und warmen Laubwälder bezeichnend wie die prächtig gefärbte Smaragdeidechse (Lacerta viridis). Die meisten im Leithagebirge vorkommenden Insekten sind an Eichen gebunden: Eichenschwärmer, Eichenspinner und Eichenzipfelfalter sowie zahlreiche Käferarten (Bock-, Pracht-, Schnell-, Bunt- und Hirschkäfer).
Paradies für Ziesel und Naturliebhaber
Der schönste Trockenrasen über Leithakalk ist der Breitenbrunner Thenau-Riegel. Er wurde 1979 zum Naturschutzgebiet erklärt. Die Unterhänge des Leithagebirges werden von pannonen Tonen und Sanden aufgebaut, weiter seewärts treten Lehmböden auf. Vorherrschend ist hier Ackerbau und seit Mitte des Jahrhunderts zunehmend auch Weinbau, der in die flachen Lagen ausgeweitet wurde.
Der Thenau-Riegel auf einer Seehöhe von 145 bis 202 m. Zählt mit etwa 41 ha Ausdehnung zu den größten Trockenrasen im Burgenland. Am Südfuß des Leithagebirges gelegen, ist er von marinen Kalken aufgebaut, die an mehreren Stellen schöne Felsformationen aufbauen. Das Gebiet wird von vier kleinen Tälern zerschnitten, die sich im Südosten vereinigen. Zwischen den Tälern befinden sich ausgedehnte Plateaus, die teilweise steil und felsig abbrechen. Der wärmeliebende Eichenmischwald, der, bis auf einige Felspartien, den Thenau-Riegel ursprünglich bedeckte, musste bereits in prähistorischer Zeit der Weidenutzung weichen. Doch erst diese Nutzungsform ermöglichte es, einer artenreichen Trockenvegetation und ihrer begleitenden Fauna Fuß zu fassen. Das Mikroklima wurde durch die fehlenden Gehölze noch trockener, in einer Landschaft, die sich ohnehin schon in einer der wärmsten Gegenden Österreichs befindet.
Natur und Kultur im Einklang
Am Osthang des Leithagebirges auf einer Fläche von 41.590 ha stocken alte Wein- und Obstkulturen. Besonders die oberen Lagen mit steinigen Böden sind durch Gehölzgruppen und Obstbäume reich strukturiert. Kirsche, Weichsel, Marille, Pfirsich, Mandel und Nuß sind die häufigsten Obstsorten, die zwischen den Weinkulturen gepflanzt werden und zur Blütezeit der Landschaft ihren unverwechselbaren Charakter verleihen.
Weideflächen waren einst sehr weit verbreitet. Heute sind sie auf steile und felsige Lagen beschränkt, die für den Weinbau nicht geeignet sind. Der Tragant-Pfriemengras-Trockenrasen ist auf Felsrohböden über Leithakalk häufig anzutreffen. Bestandsbildend sind schmalblättrige Horstgräser wie die Erd-Segge (Carex humilis), der Furchen-Schwingel (Festuca rupicola) und das Federgras (Stipa pennata agg.) mit seinen langen, in der Sonne hell glänzenden Grannen. Zahlreiche östlich kontinentale und pannonische Florenelemente füllen die Lücken zwischen den Gräsern aus: Österreichischer und Stengelloser Tragant (Astragalus austriacus und A. excapus), Große Kuhschelle (Pulsatilla grandis), Silberscharte (Jurinea mollis), Zwerg-Schwertlilie (Iris pumila), Österreichischer und Gelber Lein (Linum austriacum und Linum flavum.
Aus dem mediterranen Raum stammen die Gewöhnliche Kugelblume (Globularia punctata), der Schmalblättrige Lein (Linum tenuifolium), das Knollen-Rispengras (Poa bulbosa) und die im Herbst blühende Goldschopf-Aster (Aster linosyris)?Auffallend sind niederliegende Zwerg- und Teppichsträucher wie Berg-Gamander (Teucrium montanum), Heide-Ginster (Genista pilosa), Zwerg-Sonnenröschen (Fumana procumbens), Graues Sonnenröschen (Helianthemum canum) und Deutscher Backenklee (Dorycnium germanicum).
Wärmeliebende Artenvielfalt
Das Leithagebirge birgt neben einer mitteleuropäischen Fauna auch viele Wärme liebenden Tierarten wie den Siebenschläfer (Glis glis) und die Haselmaus (Muscardinus avellanarius) unter den Säugern. Die Schlingnatter (Coronella austriaca) und die Äskulapnatter (Elaphe longissima) sind ebenso für die lichten und warmen Laubwälder bezeichnend wie die prächtiggefärbte Smaragdeidechse (Lacerta viridis). Die meisten im Leithagebirge vorkommenden Insekten sind an Eichen gebunden: Eichenschwärmer, Eichenspinner und Eichenzipfelfalter sowie zahlreiche Käferarten (Block-, Pracht-, Schnell-, Bunt- und Hirschkäfer).
Eine der größten europäischen Zieselkolonien findet man im und um das Vollnaturschutzgebiet Thenau.
Ein schier unüberschaubare Vielfalt an Tierarten – zumeist Insekten- findet ihren Lebensraum an den Abhängen des Leithagebirges. Sehr gut untersucht wurde die Schmetterlingsfauna von Kasy (1978), der 1080 Arten nachgewiesen hat. Neuere Arbeiten belegen die Bedeutung des Gebietes für Vögel und Heuschrecken. Zu den Besonderheiten zählen der streng geschützte Gürtelskolopender (Scolopendra cingulata), ein großer Tausendfüßler, und die Sägeschecke (Saga pedo).