Ortschronik
Marktschellenberg verdankt seine Entstehung dem Salz. Urkundlich ist der Ort 1191 erstmalig erwähnt. Schon 1286 wurde ein Hällingeramt (Salzamt) errichtet. Die niedere Gerichtsbarkeit wurde dem Ort 1292 verliehen. Von großer Bedeutung bis zum heutigen Tag war die Vergabe des Marktrechtes im 13. Jahrhundert.
Seit dem frühen Mittelalter befand sich die erste Saline der Fürstprobstei Berchtesgaden in Marktschellenberg, die 1805 geschlossen wurde.
Die Pfarrkirche wurde dem Heiligen Nikolaus geweiht, dem Patron der Salzschiffer. Eine Marmortafel über dem Turmportal trägt die Inschrift: "Alle die auf dem Wasserstrom arbeiten, denen geb Gott und Sankt Niklas Glück und Heil". Über die Grenze hinaus bekannt wurde Marktschellenberg durch die Murmeln aus Untersberger Marmor, die in der Kugelmühle am Ausgang der Almbachklamm heute noch geschliffen werden. Von Schellenberg aus wurde durch den Holzverleger Krueger die "Berchtesgadener War" bis nach Konstantinopel gehandelt.
Der Schellenberger Paßturm ist Denkmal erbitterter Kämpfe um das weiße Gold. Ein Steinkreuz erinnert an die Gefallenen der kriegerischen Auseinandersetzungen von 1382.
Von mächtigen Bergmassiven umschlossen, hatte die Natur dem kleinen Berchtesgadener Fürstentum nur drei Wege durch die Felsbarrieren gebrochen, deren zwei - über Hirschbichlpaß und über den Paß Hangenden Stein - ganz der Willkür der mächtigen und den kleineren Nachbarn stets etwas stiefmütterlich behandelnden Salzburger Erzbischofe preisgegeben waren. Wahrend jener am Hirschbichlpaß nie große Bedeutung erlangte - er war nicht nur im Winter völlig ungangbar, sondern erschloß auch nur ein für den Handel wenig wertvolles Gebiet - bildete der Übergang nördlich von Schellenberg umso mehr die Hauptverbindungslinie aber auch die Ursache manchen Streits zwischen den beiden geistlichen Nachbarstaaten. Schon immer war das Grenzland zwischen dem Rottmanngraben und dem Weißbach ein umstrittener Punkt in der Klosterimmunität. Wohl nicht ohne äußere Ursache hob Kaiser Heinrich VI. im Jahre 1194 dieses Stuck Land vom Bache ,,qui dicitur Riutmagie et ultra usque in rivum Wizpah" bei der Immunitätsverleihung an das Berchtesgadener Stift besonders hervor. Der Grund war sicher darin zu suchen, daß an der Nordseite des Stiftes ein streitbares Geschlecht saß, die Edlen von Guethrat, die ständig darauf bedacht waren, die territorialen Rechtsansprüche des aufstrebenden Klosters zu unterbinden und demselben den Zu- und Durchgang des öfteren zu sperren. Erstmals findet dieses ursprünglich Werfener Geschlecht zur Zeit des 1. Kreuzzuges Erwähnung, als im Jahre 1096 ein Ernst von Guethrat mit dem lothringischen Herzog Gottfried von Bouillon gegen Jerusalem zog und sich durch umsichtige Kampfesweise und großen Mut hervortrat. Dies dürfte wohl fur Erzbischof Conrad I. der Anlaß gewesen sein, dieses Geschlecht mit umfangreichen Gütern zu belehnen, denn bereits im 12. Jahrhundert finden wir guethratische Burgen an der Niederalbe (Unterlauf der Berchtesgadener Ache), bei Rif, Buch und am Nordwestabhang des Guthratsberges in der Chattenau (Gartenau) vor.
Die Marktschellenberger Ortschronik wurde aktualisiert und überarbeitet und erschien im Jahr 2018 in der 2. Auflage. Sie ist zum Preis von 39,90 Euro im Rathaus erhältlich!