Warum Selbstoptimierung oft kein Wachstum ist
Warum Selbstoptimierung oft kein Wachstum ist
– und warum sie sich so oft nach innerem Druck anfühlt
Selbstoptimierung klingt nach Entwicklung.
Nach Fortschritt.
Nach „Ich kümmere mich um mich.“
Und trotzdem fühlen sich viele Menschen dabei innerlich erschöpfter als vorher.
Nicht, weil sie sich zu wenig bemühen.
Sondern weil Selbstoptimierung häufig aus einem stillen Grundgefühl entsteht:
Ich bin noch nicht richtig.
Nicht klar genug.
Nicht weit genug.
Nicht stabil genug.
Sie stellt Fragen wie:
Wie werde ich besser?
Wie funktioniere ich endlich so, wie ich sollte?
Das Problem ist nicht der Wunsch nach Veränderung.
Das Problem ist der Druck, unter dem er entsteht.
Wo Selbstoptimierung sinnvoll sein kann
Selbstoptimierung ist nicht grundsätzlich falsch.
Sie kann sehr hilfreich sein – besonders dann, wenn es um klar begrenzte Bereiche geht.
Zum Beispiel:
• neue Fähigkeiten lernen
• Struktur in den Alltag bringen
• sich Wissen aneignen
• konkrete, zeitlich begrenzte Ziele verfolgen
In diesen Kontexten wirkt Selbstoptimierung unterstützend.
Sie erweitert Handlungsspielräume.
Problematisch wird sie dort,
wo sie sich nicht mehr auf Fähigkeiten,
sondern auf das eigene Selbstbild richtet.
Wenn Entwicklung zur Selbstkorrektur wird
Kritisch wird Selbstoptimierung,
wenn sich die innere Frage verschiebt.
Nicht mehr:
Was möchte ich lernen?
Sondern:
Was stimmt mit mir nicht?
Ab diesem Moment wird Entwicklung zu einem inneren Korrigieren.
Zu einem ständigen Nachjustieren der eigenen Person.
Viele merken das daran, dass Veränderung sich nicht mehr belebend,
sondern anstrengend anfühlt –
selbst dann, wenn sie objektiv „alles richtig machen“.
Das Gefühl von Fortschritt bleibt aus.
Stattdessen entsteht das Empfinden,
nie ganz anzukommen.
Warum dieser Druck keine nachhaltige Veränderung ermöglicht
Selbstoptimierung, die aus innerem Druck entsteht, arbeitet häufig gegen das eigene System.
Gegen Müdigkeit
Gegen Überforderung
Gegen emotionale Reaktionen
Gegen alte Schutzmechanismen, die nicht falsch sind, sondern einmal notwendig waren.
Und genau hier verlieren viele den Kontakt zu sich –
nicht aus Faulheit,
sondern aus Überforderung.
◇ Unser Nervensystem reagiert nicht auf Ziele.
◇ Es reagiert auf das, was sich sicher und vertraut anfühlt.
Wenn innere Anspannung der Ausgangspunkt ist, setzt sich nicht die beste Strategie durch,
sondern die bekannteste.
Die, die sich im Moment am sichersten anfühlt, weil sie so abgespeichert ist.
Das erklärt, warum Einsicht allein oft nicht reicht.
Wenn sich trotz Einsicht nichts verändert
Viele Menschen haben viel verstanden.
Sie haben Muster erkannt.
Zusammenhänge durchschaut.
Ihr Verhalten reflektiert.
Und trotzdem wiederholt sich ihr inneres Erleben.
Nicht, weil sie zu wenig wissen.
Sondern weil Veränderung nicht dort beginnt, wo Selbstoptimierung ansetzt.
Solange innere Anspannung der Ausgangspunkt bleibt,
führt auch das nächste Ziel
nicht zu mehr Freiheit –
sondern zu mehr innerem Druck.
Eine offene Frage am Ende
Was wäre, wenn das Gefühl, „an dir arbeiten zu müssen“,
nicht der Beginn von Veränderung ist –
sondern bereits ein Hinweis darauf, wo sie blockiert?
Im nächsten Artikel geht es genau darum,
warum echte Veränderung an einer anderen Stelle beginnt
und was es bedeutet,
sich selbst nicht weiter zu optimieren,
sondern sich anders zu begegnen.
Herzlichen Gruß, Siegrid
www.Harmonia-energie.at