Breitenstein
Gemeindeverwaltung
Beschreibung
Herzlich willkommen in der Gemeinde Breitenstein Die Sonnenseite des Semmeringgebietes! Die Ortsbezeichnung „Preittenstein“ – vielleicht als Hinweis auf die dortigen „breiten Steine“ der Felswände zu verstehen – taucht zum ersten Mal 1220 auf, als in einer Urkunde von verschiedenen Besitzungen der Burgherren von Klamm die Rede war. Im übrigen gab es von der abgelegenen Region am „Cerwald“ (Semmering) anscheinend bis 1799 nicht viel mehr zu berichten als: „Ein zerstreuter Ort im Gebirge hinter Klamm, 1 ½ Stunden von Schottwien“. Der bekannte Niederösterreich-Forscher Franz Schweickhardt Ritter von Sickingen zeigte sich 1831 allerdings schon besser informiert; er beschrieb Breitenstein als „der Pfarre und Schule zu Klamm zugehöriges Amt“ mit 41 Häusern, in denen 64 Familien mit 143 männlichen und 156 weiblichen Personen sowie 33 schulpflichtige Kinder lebten. Nach dem Hinweis, dass dort mehrere Grundherrschaften ihre verbrieften Rechte ausübten, war Schweickhardt noch bekannt: „Der Erwerb der Einwohner ist etwa Feldbau, mehr aber Viehzucht und auch Holzhandel. Die Erzeugnisse sind: Kalk, Holzkohlen und Holz-Schnitzwaren. Besondere Schicksale hat dieses Amt nicht erfahren.“ Was Schweickhardt vielleicht nicht wusste: Im Jahr 1805 war ein Breitensteiner knapp daran, in die Weltgeschichte einzugehen. Die Franzosen hielten das Land besetzt und Napoleon selbst hatte in Schottwien Quartier bezogen. Als der Bergbauer Polleros und einer seiner Freunde dies hörten und noch dazu erfuhren, dass Napoleon auf den Semmering zu reiten beabsichtigte, beschlossen sie, ihn bei der Myrtenbrücke anzugreifen und zu erschießen. Da der Franzosenkaiser seine Inspektionstour jedoch schon beim Bärenwirt beendete, ging der schwarze Plan daneben, aber immer noch wissen zumindest alle Einheimischen, wer der „Napoleonbauer“ war. Nach dem missglückten Attentatsversuch gab es für Breitenstein noch vier Jahrzehnte stiller Abgeschiedenheit vom übrigen Weltgeschehen. Der Fürst von und zu Liechtenstein, seit 1830/31 Großgrundbesitzer in der Gegend, hatte zwar entlang des Haidbaches im Bereich der Einmündungen des Lechner- und Myrtengrabens einen „Landschaftsgarten“ anlegen lassen: mit romantischen Grotten, einem Schweizerhaus, einer Art Gloriette, einem künstlichen See samt Wasserfall und anderen Sehenswürdigkeiten, aber wohl mehr zur eigenen Erbauung denn als Attraktion für irgendwelche „Touristen“; die machten damals um dräuend aufragende Felswände immer noch einen großen Bogen. Die Biedermeieridylle fand ein jähes Ende, als 1848 der geniale Ingenieur Karl Ritter von Ghega mit dem Ausbau der Südbahnstrecke betraut wurde. Der effektvollste, gleichzeitig aber auch schwierigste Abschnitt der ersten Gebirgsbahn der Welt führte ja über Breitensteiner Territorium, das damals erst am Semmeringpass endete. Das bislang abgelegene kleine „Amt“ rückte daher in den Mittelpunkt des Geschehens und wurde zur Großbaustelle. Tausende Arbeiter aus allen teilen der Monarchie hausten ringsum in Notquartieren; und über tausend fanden dort auch den Tod, weil Seuchen sie hinwegrafften. Nach der Bahneröffnung 1854 verschwanden die Baracken, Spitäler, Lager usw. bald aus dem Landschaftsbild Breitensteins; selbst die hölzerne Marienkapelle, die der Arbeiterseelsorge gedient hatte, wurde abgerissen. Nur die zunächst in einem Bahnwärterhaus eingerichtete „Eisenbahnerschule“ überlebte. Als somit fast alle Erinnerungen an die Zeit des Bahnbaues beseitigt waren und die Natur um das technische Wunderwerk wieder ihren eigenen „Landschaftsgarten“ entstehen ließ, brach für die Ortschaften des Semmeringgebietes und somit auch für Breitenstein die Zeit der Entdeckung durch Tourismus und Fremdenverkehr an. Im einst so zerstreuten Ort hatte die Südbahngesellschaft gleich drei Stationen vorgesehen: Breitenstein, Wolfsbergkogel und Semmering. Sie standen zunächst mehr oder weniger isoliert in der Gegend herum, entwickelten sich jedoch rasch zu Ausgangspunkten für weitere Bautätigkeiten, denn das reiselustige Publikum wollte verpflegt werden, wollte einkaufen und Übernachtungsmöglichkeiten vorfinden. Daher entstand auch in Breitenstein im Lauf der Jahre eine Art Gemeindezentrum mit dem Amtshaus, Gasthöfen, einer Schule (1910), einem Postamt (1910) und einem Kaufladen (zum Bau einer Kirche kam es allerdings erst 1969), und sogar der bislang durch den Adlitzgraben führende holprige Karrenweg wurde 1898 in eine passable Straße verwandelt. Bedankt durch den regen Fremdenverkehr und die Lobeshymnen auf die entdeckten Naturschönheiten in der südlichen Bergwelt Niederösterreichs, hatten die Breitensteiner Gemeindeväter bis ins 20. Jh. hinein allen Grund, sich über die ständig steigende Beliebtheit zu freuen; vor allem ihr berühmter Semmering hatte sich so sehr zum Treffpunkt der eleganten Welt und aller jener, die dazugehören wollten, herausgemausert, dass sich dort Villa an Villa, Hotel an Hotel reihte. Sehr geteilt war die Freude allerdings, als 1919 eine eigene „Gemeinde Semmering“ entstand. Nun sah Breitenstein seine Region genau um jenes Gebiet verkleinert, das durch den Bahnbau den größten wirtschaftlichen Aufschwung genommen hatte. Doch immerhin konnte Breitenstein – nach einem Wort des Dichters Alfons Petzold die „wahrhaftigste Sonneninsel im Semmeringgebiet“ – noch vermitteln, was der „Hotelstadt“ Semmering teilweise schon abhanden gekommen war: ländliche Abgeschiedenheit, Ruhe, glasklares Wasser und eine geradezu sagenhaft gute Luft. Erholungssuchende Prominenz, Patienten mit Lungenbeschwerden oder Individualisten, die dem Trubel jenseits der „Kalten Rinne“ aus dem Weg gehen wollten, richteten sich daher in Breitensteins Wäldern und Winkeln häuslich ein; ihre Villenbauten trugen zwar gleichfalls alle Merkmale des „Semmeringstils“, fügten sich in nobler Zurückhaltung jedoch harmonisch in die prächtige Landschaftskulisse ein. Hier wäre als besonders interessante Bauherrin Alma Mahler-Werfel, Gattin des berühmten Komponisten und Dirigenten Gustav Mahler, genannt. Das Innere der Villa im Orthof zierte einst sogar ein Fresko des Malers Oskar Kokoschka. Einige auffällige Großbauten entstanden erst, als Breitenstein seinen Ruf als „Höhenluftkurort mit Reizklima“ festigen konnte (Sanatorium und Erholungsheim). Auch heute ist Breitenstein noch der ruhige, sonnige Ort, in dem man die Seele baumeln lassen kann und sich bei ausgedehnten Spaziergängen so richtig erholen kann. Abseits vom Trubel der großen Tourismuszentren, aber trotzdem nah genug, um diese zu erreichen. Am 5. April 1992 wurde der Gemeinde Breitenstein das Wappen feierlich verliehen. 80 Jahre Gemeindeamt Durch die Trennung des Semmerings von der Gemeinde Breitenstein im Jahr 1919 wurde die Errichtung eines eigenen Gemeindeamtes in Breitenstein notwendig. Die Gemeindestube und auch das Postamt waren im Gasthof zur Post, das dem damaligen Bürgermeister Johann Hanl gehörte, untergebracht. Die Räumlichkeiten im Gasthof waren zu klein, daher erschien ein Neubau unumgänglich. Die Gemeinde Semmering musste der Gemeinde Breitenstein 20.000 Kronen für die Errichtung des Gemeindeamtes bezahlen. Die legendäre Rede des Abgeordneten Viktor Silberer in der niederösterreichischen Landesversammlung am 30. April 1919 finden sie, wie viele andere Details der Gemeinde Breitenstein, in der Festschrift. Im Jahr 1997/98 wurde unser Gemeindeamt in Breitenstein errichtet. Im Jahr 1994/95 erfolgte ein relativ großer Zubau. 80 Jahre nach der Einweihung haben wir unser Gemeindeamt gefeiert. Unter Bürgermeister Friedrich Koger ist es im Jahr 2007 grundlegend renoviert worden. Auch der neu errichtete Kinderspielplatz ist wunderschön gelungen. Am 21.06.2008, umrahmt durch musikalische Darbietungen unseres Kreuzberger Musikvereins und der Segnung durch unseren Herrn Pfarrer Friedrich Schauer haben wir gemeinsam mit der Bevölkerung 80 Jahre Gemeindeamt gefeiert. Es war es ein wunderschönes Fest. Alma Mahler „Sie sind endgültig verloren!“ Werfel schrieb dort Romane, Kokoschka stattete sie mit Fresken aus - Doch die öffentliche Hand interessiert sich nicht für das Kulturerbe rund um die ehemalige Villa der Alma Mahler-Werfel Als Ausgleich zum Dirigieren und Komponieren ging Gustav Mahler, dem große Gesellschaften ein Gräuel waren, gerne wandern. Über die Weihnachtstage 1897 weilte er am Semmering: "Hier ist es herrlich!", schwärmte der Hofopern-direktor. Zehn Jahre später demissionierte er; Wien war nicht mehr dauernder Wohnsitz. Dennoch fasste Mahler, seit 1902 mit Alma Schindler verheiratet, den Entschluss, seinen Alterswohnsitz in Niederösterreich zu errichten. Im November 1910 erwarb er in der Gemeinde Breitenstein um 40.000 Kronen eine Liegenschaft. Er sollte dieses Refugium aber nie mehr betreten: Mahler brach zu einer Konzertreise in die USA auf - und kehrte im Frühjahr 1911 todkrank zurück. Er starb am 18. Mai. Ein Jahr später, am 17. Mai 1912, ging das Grundstück in den Besitz der lebenslustigen, jungen Witwe über. Auf einer der Parzellen ließ Alma von Hartwig Fischel, Rudolf Bredl und Karl J. Stöger ein Haus bauen. Die Architekten mussten darauf achten, dass der Ausblick auf Rax und Schneeberg voll zur Geltung komme, und den Bogen zur amerikanischen Architektur spannen, denn auf Almas Wunsch erhielt das Haus über die ganze vordere Länge eine äußere Säulenhalle. Am 2. Juni 1913 wurde die Baubewilligung erteilt, am 1. Dezember war die Villa fertig. Über das Jahr 1914 notierte Alma in ihrer Biografie Mein Leben, nach dem Zweiten Weltkrieg geschrieben: "Ich hatte dem Baumeister gesagt: 'Bauen Sie mir ein Haus um einen Riesenkamin.' Er nahm mich wörtlich, brach große Blöcke aus unseren Bergen und formte einen übergroßen Kamin, der mit der Steinwandung die ganze Langseite des Zimmers ausfüllte. Oskar Kokoschka malte ein großes Fresko über den Kamin - mich zeigend, wie ich in gespensterhafter Helligkeit zum Himmel weise, während er in der Hölle stehend von Tod und Schlangen umwuchert scheint. Das Ganze ist als Fortsetzung des Flammenspiels vom Kamin hinauf gedacht. (Ich weiß nicht, ob die Zeugen dieser einzigartigen Zeit noch existieren. Die Emigration hat mir mein Vaterland gestohlen.)" Das vier Meter lange, 68 Zentimeter hohe Wandgemälde malte Kokoschka, der sich im April 1912 in Alma verliebt hatte, Ende 1913. Bereits im Mai 1914 war die Beziehung beendet - zumindest aus Almas Sicht. Im August 1915 heiratete sie Walter Gropius. Und schon Ende 1917 begann sie ein Verhältnis mit Franz Werfel. Im Juli 1918 besuchte der Schriftsteller die schwangere Alma in Breitenstein: "Wir liebten uns!", notierte er. "Ich schonte sie nicht." Dies führte zu einer Frühgeburt; Almas Sohn starb schließlich Mitte Mai 1919. Im Juli 1929 heirateten Werfel und Alma am Semmering. Zuletzt dürften die beiden 1937 in Breitenstein gewesen sein. Nach dem Einmarsch Hitlers im März 1938 befanden sich die beiden auf der Flucht. Im August 1939 schenkte Alma das Grundstück ihrer Halbschwester Maria Eberstaller, einem langjährigen NSDAP-Mitglied, denn sie hatte keine Hoffnung mehr, nach Österreich zurückzukehren. Im April 1945, als der Krieg verloren war, begingen Maria Eberstaller, ihr Mann Richard und Almas verhasster Stiefvater Carl Moll Selbstmord. Erneut erbte Alma das Grundstück. 1955 stellte sie, nun in New York lebend, fest: "Ja, die Fresken existieren noch. Ich musste mein Haus am Semmering an eine russische Gewerkschaft vermieten, denn sie drohten mir, wenn ich es nicht gutwillig hergebe, es sich einfach zu nehmen. Da die Russen diese Fresken aber nicht schön fanden, ließen sie sie übermalen. Ich tue von hier - New York - aus alles, um sie zu retten." Später, ohne Zeitangabe, notierte sie: "Sie sind verloren." Und noch später: "Sie sind endgültig verloren!" Denn Ende 1959 verkaufte Alma die Villa an die Schiffswerft Korneuburg, die unter russischem Einfluss stand. Ob dieser Akt auf Freiwilligkeit basierte, ist nicht bekannt. Alma starb am 11. Dezember 1964; die Villa diente bis in die 80er als "Erholungsheim". Im Sommer 1987 machten sich der Maler Hanns Kunitzberger und seine Frau Catherine, eine Sängerin, auf die Suche nach der Mahler-Villa. "Mein Mann ist ein großer Verehrer von Mahler", erzählt sie. "Wir besuchten all seine Orte." Der Bürgermeister von Breitenstein fragte sie, ob sie die Immobilie nicht kaufen wollten. Die Werft versuche schon seit drei Jahren, die devastierte Villa loszuwerden. So stürzte sich das Ehepaar in ein Abenteuer: 1987 kaufte es das Grundstück um 1,7 Millionen Schilling und übersiedelte nach Breitenstein. Unerwartet entdeckten die beiden nach Entfernung einer scheußlichen 70er-Jahre- Tapete unter einem Leim-Farbe-Anstrich das verlorengeglaubte Fresko. Danach, Anfang 1989, informierten sie Gerhard Sailer, den damaligen Präsidenten des Bundesdenkmalamts - und erhofften sich Unterstützung. Diese wurde ihnen, nach mehr als einem Jahr Wartezeit, versagt. Ab November 1990 wurde das Wandbild von Konservatoren freigelegt und abgenommen, im März 1991 wurde es legal aus Österreich ins Zollfreilager Zürich transportiert. "Die Axa Versicherung konnte das Wandbild nur in einem professionellen Depot für Kunstgegenstände versichern. Das Haus in Breitenstein war kein sicherer Ort. Und in Österreich gab es damals nirgendwo ein Depot für ein Wandbild dieser Größe." Das Ehepaar Kunitzberger wandte sich an mehrere österreichische Museen: "Wir wollten das Wandbild in Würde behandelt wissen." Doch niemand hatte Interesse. "Ein bestimmter Direktor, unserer Ansicht nach des am meisten geeigneten Museums, machte mir nach einem Monat Wartezeit klar, dass dieses Werk für ihn nicht so wichtig ist. Wenn er es erwerbe, müsse er auf für ihn wichtigere Investitionen verzichten. Er sah das Wandbild aber nur auf einem Foto, das wir ihm gebracht hatten. Eine Betrachtung des Originals kam für ihn nicht infrage. Traurig nahmen wir dies zur Kenntnis. Wir waren zu einigem Entgegenkommen bereit, um den Ankauf durch ein Museum zu ermöglichen, doch wir selbst standen durch diese Geschichte unter einem enormen finanziellen Druck gegenüber den Banken. Also keine leichte Situation." Leihgeber: Hans Dichand Rudolf Leopold hätte das Fresko gerne gekauft; aber er befand sich damals in finanziellen Nöten. 1993 wurden die Kunitzbergers von Hans Dichand kontaktiert: "Er war überaus begeistert." Und er kaufte es. "Da wir in Österreich keine Lösung fanden, war ein Verkauf an ihn für uns die richtige Entscheidung. Wir hatten eine große Last auf unseren Schultern", sagt Catherine Kunitzberger. "Wir hatten unsere Pflicht getan: Das Fresko war gerettet." Sonderbarerweise bot Dichands damalige Galerie Würthle das Fries 1995 in Basel zum Kauf an - um 16 Millionen Schilling. Es wechselte aber nicht den Besitzer. 1996 verließen die Kunitzbergers Breitenstein. Sie verkauften die Immobilie an Christine Jacobsen, ließen aber all das, was sie vorgefunden hatten, zurück, darunter den Schreibtisch, an dem Werfel Romane geschrieben hatte. Auf der Homepage würdigt der Ort Alma Mahler als "eine der berühmtesten Breitensteinerinnen". Mit Bedauern vermerkt man, dass sich die Villa am Werfelweg 6 in Privatbesitz befindet; sie könne daher nicht besichtigt werden. Sie steht nach wie vor nicht unter Denkmalschutz. Das Fries war zumindest einmal zu sehen: im Frühjahr 2008, in der Kokoschka-Ausstellung Träumender Knabe - Enfant terrible des Belvedere, als Leihgabe von Hans Dichand. Schrieb Alma aber nicht von "Fresken", die verloren seien? Alfred Weidinger, Kurator der Kokoschka-Schau, meint im Katalog, dass es noch weitere geben müsse. Ein Brief im Mahler-Werfel-Archiv in Philadelphia würde dies belegen. Es bleibt zu hoffen, dass auch sie noch unter Schichten von Wandfarbe existieren - und eben nicht zerstört wurden. (Thomas Trenkler, DER STANDARD/ALBUM - Printausgabe, 16./17. Juli 2011) Burg Klamm Die einst mächtige Festungsanlage aus dem frühen 12. Jh. wurde der Sage nach von zwei Brüdern, beide Raubritter, gegründet. Die Geschichte dieser alten Grenzfeste ist, wenigstens vom Beginn des 13. Jahrhunderts an, eng mit jener des Marktes Schottwien verknüpft. Es wird angenommen, dass Schottwien als befestigter selbständiger Ort zur Zeit, als die Steiermark unter Herzog Leopold dem Tugendhaften zum erstenmal an Österreich fiel (1192), schon bestanden hat, obwohl der Name urkundlich erste ein halbes Jahrhundert später Erwähnung fand. Auf der Felsenburg aber, welcher die ganze Umgebung hörig und untertan war, saßen vom 12. bis zum 15. Jh. als mächtiges, einflussreiches Geschlecht die Herren von Chlamme ungesiegt und unbezwungen, weshalb die alten Chronisten deren festen Sitz ars invicibilis, die Unbesiegbare, nannten. Dies änderte sich freilich, als Im Jahre 1487 der Ungarkönig Matthias Corvinus, nachdem er Wien und die „allzeit getreue“ Neustadt bezwungen hatte, seine Heerscharen auch vor die noch kaisertreuen Herrensitze in der südlichen Ostmark warf, wobei unter den letzten Klamm mit Schottwien nach stürmischer Belagerung in die Hände des Feindes fielen. Eingemauerte Steinkugeln in Klamm mahnen noch heute an diese Belagerung. 1499 hatte Christop von Flädnitz die Herrschaft Klamm pfandweise inne. Anno 1518 erscheint Siegmund Freiherr von Herberstein, der große österreichische Staatsmann und Geschichtsschreiber, geb. 1486, als Pfandherr und Pfleger von „Klamm mit Zugehör“, und zwar in einem Pfandbriefe Kaiser Maximilian I. vom 16. April 1518. Herberstein genoss als Grundherr bei allen seinen Untertanen eine seltene Beliebtheit. Strenge Rechtlichkeit und ein großer Wohltätigkeitssinn zeichneten ihn aus. Er ließ unter anderem über sämtliche bestehende Recht und Pflichten in seinem Gutsbereiche eine genaue Aufschreibung anlegen, welche in der kaiserlichen Familienfideikommissbibliothek zu Wien aufbewahrt wurde und einen interessanten Einblick in die Rechtsverhältnisse der damaligen Zeit gewährt. Burgruine Klamm Die große und wohlerhaltene, zum Theil wieder hergestellte Ruine bei der gleichnamigen Station der Semmeringbahn zeichnet sich sowohl durch ihre malerische Lage, wie durch Ausnutzung eines besonders unebenen felsigen Baugrundes zu einer unregelmäßigen und festen Anlage aus. Sie liegt auf einem breiten Felskopfe, dem Heubachkogel, der von einem welligen Vorgebirge nach Süden hin aufsteigt, um hier in senkrechten Wänden 125 m tief zu der weiten Schlucht des Adlitzgrabens abzustürzen. Der Burgbering fällt auch nördlich gegen die Hochfläche in steiler und zum Theil felsiger Böschung ab, am wenigsten steil im Nordwesten, und war daher hier vom Dorfe Klamm - fast nur noch aus Kirche und Gasthaus bestehend - die kurze, fahrbare Brugstraße hinaufzuführen. Innerhalb des Beringes erhebt sich dann nach einer Vorstufe noch ziemlich hoch ein Felsrücken, gegen die Thalseite hin ein Stück des Geländes abschneidend und umfassend. Auf dieser höchsten Erhebung des Terrains und auf dem in seinem Schutze liegenden Platze war daher die Hauptburg zu errichten, während die Vorstufe als Vorburg (A), bzw. Zwinger (B) auszugestalten war. Der Weg in die Hauptburg fürht durch den (jetzt) einfachen Thorbau n und den Zwinger Z immer steigend zur Vorburg A. Schon außerhalb des Thores war der Ankommende den Schüssen von diesem hier höher liegenden Burgtheile herab ausgesetzt, doch war, der alten Regel zuwider, die Gestaltung des Geländes nach der Aufstieg nicht wohl anders zu legen gewesen, als dass der Angreifer der burg seine linke, durch den Schild gedeckte Seite zuwandte.