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Das Historische Postamt Küb

Wenn heute Touristen aus der ganzen Welt nach dem rund 320 Einwohner zählenden Küb pilgern, um Österreichs einziges historisches Postamt zu besichtigen, so mag das nicht wirklich verwundern.1905, also vor knapp 100 Jahren aus einem beinahe kuriosen Zufall entstanden, hat es sich bis heute -beinahe- im Erscheinungsbild "der guten alten Zeit" erhalten und vermag so die Nostalgiker zu erfreuen. Doch nicht nur die, sondern auch alle historisch Interessierten, die derlei Erhaltenes allenfalls anlässlich einschlägiger Veranstaltungen in Form von museumshaft angeordneten, extra dafür aus der Versenkung geholten Exponaten zu Gesicht bekommen.

Dieser kleine Abriss über die Geschichte des historischen Postamtes in Küb soll einerseits Gusto machen auf einen Besuch, und denjeningen, die Ihren Weg schon hierhergefunden haben durch ausgesuchte Fotos als eine kleine Erinnerungsstütze dienen.

Es begann als Idee für eine Telefonvermittlungsstelle

Man schreibt das Jahr 1905. Küb war damals, wie die meisten anderen Orte entlang der Semmeringbahn, um die Jahrhundertwende drauf und dran, sich als Sommerfrische, Erholungszentrum und Luftkurort einen Namen zu machen und dürfte auch aus der Tatsache, dass der Bruder Kaiser Franz Josephs, Erzherzog Karl Ludwig, sich im nahe gelegenen Reichenau an der Rax niedergelassen hatte und dort Schloss Wartholz erbauen ließ, reichlich Nutzen gezogen haben. Auch Bedienstete des Hofes hatten Küb entdeckt (wohnte man dort doch billiger als auf dem Semmering!).

Die nachmalige Kaiserin Zita verbrachte viel Zeit bei den Erzherzögen in Schloss Wartholz in Reichenau. Eine mit ihr sehr vertraute Bedienstete logierte im Haus Küb Nummer 7 bei der Familie Lechner. Es war für Zita äußerst unbequem, mit ihrer Vertrauten immer nur über einen Boten in Verbindung treten zu können. Sie verlangte daher, dass unbedingt eine Telefonleitung zwischen ihnen gelegt werde. Der Hausbesitzer Alois Lechner gab –vorausahnender Weise- zu bedenken, dass dann gewiss auch viele andere Ortsansässige sich ein Telefon wünschen könnten, und erklärte sich bereit, sein Haus für eine Vermittlungsstelle zur Verfügung zu stellen.

Es blieb aber nicht bei der Telefonvermittlung

Da nun einmal ein Raum zu Verfügung stand, wurde gleich 1905 ein Postamt daraus. Ein Sommerpostamt zunächst, das dann im Jahre 1908 auf ganzjährigen Betrieb umgestellt wurde. Alois Lechner war der erste Postmeister und blieb es bis 1942. 1966 wurde Frau Anna Tscharnuter Leiterin des Postamts Küb. Allen voran ihr und dem ebenso engagierten Wolfgang Aue als hochbaulichem Leiter gilt es, großen Dank für ihren Einsatz um die Rettung des historischen Rahmens des Postamtes Küb bis in unsere Tage hin auszusprechen - als nämlich die Post 1987 daranging, das Postamt zu modernisieren.

Glücklicherweise hieß bereits damals „modernisieren“ nicht mehr zwangsläufig, alles Althergebrachte restlos zu beseitigen. Daran hatte die Küber Bevölkerung mitsamt Bürgermeister Johann Schweighofer nicht das geringste Interesse; man wollte auch das „innere“ Ortsbild mitsamt dessen Traditionen unbedingt erhalten und erbat daher eine entsprechend schonende Neuplanung.

Der Post kam diese Bitte nicht nur gelegen, sie konnte sie auch erfüllen. Denn da gab es noch die prächtige, k.u.k.- nostalgische Einrichtung aus dem aufgelassenen Postamt Semmering- Südahnhotel (errichtet 1902), die durchaus erhaltenswert war und für Küb zurechtgepasst werden konnte.

Mittelpunkt des historischen Interieurs ist die Schalterwand aus der Zeit der Jahrhundertwende, die vor allem durch die kunstvollen Milchglaseinsätze das bezaubernde Flair dieser Zeit vermittelt. Diese Schalterwand sowie die Telefonzelle und der Parteienschreibtisch stammen aus der Originaleinrichtung des ehemaligen Postamtes Semmering.

Das Postamtsrundschild und auch der Briefkasten wurden Originalen aus der Jahrhundertwende nachempfunden. Ein technisch modern ausgestattetes Telefon mit nostalgischem Aussehen aus dem Jahre 1906 rundet das Erscheinungsbild ab.