„Mit Natur und Physik wirtschaften“ – Klimaökonomin Sigrid Stagl ruft zu breiten Allianzen für die grüne Transformation auf
Der Kultur- und Verschönerungsverein Absdorf in Kooperation mit der KLAR! Wagram (Klimawandel-Anpassungs-Modellregion) und die Marktgemeinde Absdorf luden am Freitag, 13.3.2026 zu einem vielbeachteten Vortrag nach Absdorf ein und setzten damit ihre erfolgreiche Vortragsreihe zu Zukunftsfragen fort.
Die Klimaökonomin und Wissenschaftlerin des Jahres 2024, Sigrid Stagl, hat in ihrem Vortrag eindringlich die ökologischen Grenzen unseres derzeitigen Wirtschaftssystems aufgezeigt. Sie betonte, dass die aktuelle Wirtschaftsweise mit ihrem hohen Ressourcenverbrauch und zahlreichen Ineffizienzen langfristig nicht tragfähig ist. Für eine zukunftsfähige Entwicklung brauche es eine umfassende grüne Transformation – getragen von klaren Regeln, technologischen Innovationen und Veränderungen im Verhalten.
Planetare Grenzen als wirtschaftliche Realität
Stagl machte deutlich, dass die Menschheit die Belastungsgrenzen der Erde bereits massiv überschritten hat: Sieben der neun sogenannten planetaren Grenzen gelten heute als verletzt. Gleichzeitig basiert ein großer Teil der globalen Wirtschaftsleistung weiterhin auf einem linearen System aus Entnehmen, Produzieren und Wegwerfen. Von den eingesetzten Materialien zirkulieren derzeit nur 9 % weltweit bzw. 14 % in Österreich wieder im Wirtschaftskreislauf – der überwiegende Teil wird nach einmaliger Nutzung verbrannt oder eingegraben. Für Stagl ist daher klar: Eine Wirtschaft, die dauerhaft funktionieren soll, muss mit den Regeln der Natur und der Physik arbeiten – nicht gegen sie. Ökologische Ökonomie bedeute, wirtschaftliche Aktivitäten so zu gestalten, dass sie innerhalb der natürlichen Grenzen der Erde funktionieren.
Kreisläufe, Ernährung und Investitionen für die Zukunft
Als Orientierung könne die Natur selbst dienen, betonte Stagl. Konzepte wie Kreislaufwirtschaft, zukunftsfähige Energiesysteme und nachhaltige Ernährungssysteme zeigen, wie Ressourcen effizient genutzt und Emissionen reduziert werden können. Gleichzeitig sei eine konsequente Umstellung von „braunen“ auf „grüne“ Technologien notwendig, etwa der Umstieg auf erneuerbare Energie wie Photovoltaik oder Windkraft. Auch bei den Investitionen bestehe großer Nachholbedarf: Ein erheblicher Teil der heutigen Finanzströme fließt noch immer in fossile und ressourcenintensive Strukturen. Durch eine gezielte Umschichtung von Investitionen könnten jedoch die Mittel mobilisiert werden, die für den Ausbau klimafreundlicher Infrastruktur oder nachhaltiger Landwirtschaft erforderlich sind. Entscheidend seien klare und verlässliche Regeln – sie schaffen Planungssicherheit und sind langfristig auch wirtschaftlich die günstigste Lösung. Das Verbot der Glühbirnen hat dazu geführt, dass wir jetzt effiziente LED-Lampen verwenden.
Breite Allianzen und positive Visionen
Für die grüne Transformation brauche es daher einen Mix aus Maßnahmen bei Verhalten, Regulierung und Technik – und breite Allianzen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, betonte die Ökonomin. Und es braucht positive Zukunftsbilder, etwa wie ein klimaneutrales Österreich im Jahr 2040 aussieht. Im Anschluss beantwortete sie noch zahlreiche Fragen aus dem interessierten Publikum.
Das KVV Team bereitet wieder ein Buffet vor, welches vom zahlreich erschienen Publikum gerne in Anspruch genommen wurde. Der Vortrag bewegte offensichtlich viele BesucherInnen, da noch lange diskutiert wurde.