Nachruf der Rheintaler Kulturstiftung auf Josef Ebnöther (1937–2025)
Josef Ebnöther: leiser Poet der Farbe
Das Rheintal nimmt Abschied von Josef Ebnöther – Künstler, Menschenfreund und stiller Beobachter mit wachem Blick und feinem Humor. Er war einer, der das Leben nicht nur betrachtet, sondern in Farben übersetzt hat.
Geboren 1937 in Altstätten, zog es Josef Ebnöther früh hinaus in die Welt. Mehrere Jahre lebte und arbeitete er in Paris, wo er an renommierten Kunstschulen wie der Académie de la Grand Chaumière und der Ecole des Beaux Arts studierte und seinen unverwechselbaren Stil entwickelte. Doch im Herzen blieb er immer Rheintaler – geerdet, eigenständig, mit leisem Schalk und stets neugierig auf das, was sich hinter dem Sichtbaren verbirgt. Seine Werke fordern das Auge heraus und berühren zugleich die Seele.
Seit den 1960er Jahren arbeitete Josef Ebnöther als freier Künstler. Er malte, zeichnete, druckte – immer aus innerem Antrieb, nie aus Eitelkeit. Auch verschiedene Kunst am Bau-Werke sind entstanden, Wandreliefs und Glasfenster. So etwa für die St. Josef Kirche in Kempen bei Düsseldorf 1993, die Kantonsschule Heerbrugg 1999 oder das Schulhaus Schöntal in Altstätten 2011.
Als er 2016 im Kinotheater Madlen in Heerbrugg den «Goldiga Törgga», den Anerkennungspreis der Rheintaler Kulturstiftung,entgegennahm, stand er auf der Bühne mit einem verschmitzten Lächeln, das alle Anwesenden ansteckte. Über 200 Gäste feierten ihn und seine Schaffenskraft. Er selbst nahm den Applaus mit jener feinen Gelassenheit entgegen, die ihn zeitlebens auszeichnete. Sein Humor war trocken, sein Blick neugierig, die Haltung offen und immer blitzte dieser Schalk durch, der sagte: „Freut euch! – über Kunst, das Leben, den Moment.» Und: «Kunst kann auch trösten.“ Vielleicht geschieht dies, weil seine Bilder Raum lassen für eigene Interpretationen.
In einem Gespräch mit dem Kunsthistoriker Winfried Nussbaummüller, ehemaliger Leiter der Kulturabteilung Vorarlberg und langjähriges Mitglied der Jury «Goldiga Törgga» drückt Josef Ebnöther es so aus: „Wenn man es schafft, dass ein Bild in einem Raum eine Betrachterin, einen Betrachter immer wieder beschäftigt, dann hat man’s erreicht. Es geht darum, dass man jemanden fesseln kann. Die Person muss ja nicht meine Ideen sehen, sondern ihre Probleme. Ich habe schon erlebt, dass Menschen sagen, ein Bild sei – je nach Stimmung – anders. Ich glaube, das ist wichtig.“
Josef Ebnöther hinterlässt Spuren – nicht nur auf Leinwänden und Papier, sondern auch in den Köpfen und Herzen vieler Menschen im Rheintal, in der Schweiz, in der Welt. Seine Kunst bleibt Einladung hinzusehen, weiterzudenken, zu experimentieren, sich zu laben.
Wir verneigen uns vor einem bedeutenden Künstler, der das Rheintal mit Farbe und Zuversicht bereichert hat und uns über seinen Tod hinaus zeigt, dass selbst in leisen Tönen Mut und Lebensfreude stecken können. Danke, Josef, für deine Bilder und für die Wärme, mit der du die Welt nicht beschönigt, aber ein gutes Stück heller gemacht hast.